Eine Grünfläche für alle am Königssee

Vor knapp 50 Jahren beschloss der Gemeinderat, die Wiese beim Alten Bahnhof Königssee nicht zu bebauen. Jetzt soll sich das ändern. Die Argumente von damals sind aber aktueller denn je.

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Grünfläche am Königssee

Anfang 1974 berichtete Georg Eder, von 1966 bis 1978 Bürgermeister der ehemals selbständigen Gemeinde Königssee, stolz dem Berchtesgadener Anzeiger (siehe Bild), dass man endlich etwas am „unattraktiven Außenherum“ am Königssee ändern könne. Denn die Schönheit des bayerischen Fjords erschließe sich den Gästen erst, wenn sie über den See fahren. Vorher müssten sie sich vom Großparkplatz durch die Seestraße und den Trubel an der Seelände kämpfen. Viele Touristinnen und Touristen hatten bereits ihr Unbehagen geäußert. Doch warum hoffte Eder, dies nun ändern zu können?

1965 hatte die Deutsche Bahn die Strecke zum Königssee aufgegeben und die Gleise fünf Jahre später rückgebaut. Übrigblieb der Bahnhof und das Gelände drum herum. 55 Jahre lang war hier der Dreh- und Angelpunkt des Tourismus am Königssee. Eisenbahn und professionelle Motorschifffahrt waren um 1910 nahezu zeitgleich entstanden und erschlossen den malerischen See für die Besucherströme. Prinzregent Luitpold von Bayern, der selbst gerne Gast am Königssee war, hatte das Projekt maßgeblich gefördert. In den 1960er Jahren verdrängte aber das Auto die Eisenbahn. Seitdem lag das Gelände brach – von einer „Brennesselplantage“ war die Rede.

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aus dem Interview

Anfang der 1970er Jahre war es der Gemeinde Königssee tatsächlich gelungen, den eindrucksvollen Bahnhof samt Grundstück zu erwerben. Die Gemeinde war äußerst froh darüber, denn die Konkurrenz war groß. Schon damals gab es viele Interessenten, die höhere Summen boten, als der Gemeindesäckel hergab, und die das Gelände wirtschaftlich nutzen wollten. Bürgermeister Eder hatte anderes im Sinne: „Die Gemeinde denkt selbstverständlich an keinerlei kommerzielle Nutzung, sondern allein an die Erhaltung der Landschaft.“ Dies sei eine der wichtigsten kommunalen Aufgaben, „in einer Zeit, wo viel zu viel verbaut wird, der Urlauber aber immer mehr nach Natur verlangt“. Das Gemeinwohl habe Vorrang gegenüber „spekulativen Interessen Einzelner“, hatte der Gemeinderat bereits 1973 betont. Das 10.000qm große Gelände sollte eine Grünanlage mit Ruhebänken und Kinderspielplatz werden. Finanzielle Hilfe kam vom Staat, denn es sei eine nationale Aufgabe „Deutschlands schönsten See“ vom Makel eines Rummelplatzes zu befreien, wie Eder 1974 hervorhob, insbesondere da viel von Umweltschutz und Landschaftserhaltung gesprochen werde. Das Geld sei gut angelegt, war sich der Bürgermeister sicher, denn „der Königssee ist nun mal eines der Schaustücke deutscher Landschaft“. „Allein dem Auge tut es gut“, so Eder weiter, „wenn zwischen den Geschäften eine große Grünanlage alles auflockert.“ Fortan lud der Freiraum Besucherinnen und Besucher zum Ausruhen ein. Im gleichen Atemzug legte die Gemeinde den Rundwanderweg zum Malerwinkel mit dem Abstecher zur Rabenwand an und investierte in den Fußweg nach Berchtesgaden entlang der ehemaligen Gleisstrecke. Den Grund der Gleisanlagen konnte die Gemeinde gemeinsam mit dem Areal am Bahnhof Königssee erwerben – ein absoluter Glücksfall.

Die Gemeinde schuf damit wegweisende Projekte, die noch heute für das Ortsbild und den Tourismus am Königssee bedeutend sind. Die Grünfläche gibt den Blick frei auf die beiden denkmalgeschützten Gebäude Alter Bahnhof und Schifffahrtsverwaltung. Knapp 50 Jahre später sind die Aussagen des Gemeinderats und des Bürgermeisters aktueller denn je. Doch die Antworten auf die Probleme sind heute andere. Anstatt den letzten unbebauten Flecken am Königssee zwischen Parkplatz und Seelände zu bewahren, wurde das Gelände Ende 2019 an einen Investor verkauft. Dessen Hotelprojekt beinhaltet unter anderem die Bebauung des Areals, das eigentlich für Erholungszwecke gedacht war.

Der Heimatkundeverein setzt sich für den Erhalt des denkmalgeschützten Alten Bahnhofes Königssee ein. Dabei geht es nicht nur um das Gebäude an sich, sondern auch um seine unmittelbare Umgebung. Denkmäler brauchen Platz, um ihre Wirkung zu entfalten! Dies betrifft insbesondere die Sichtachse zwischen Bahnhof und Schifffahrtsverwaltung, also eben jene Grünfläche. Der Vorstand hat sich deshalb im Mai 2021 mit einer Petition an den Bayerischen Landtag gewandt und diese Anfang 2022 noch einmal konkretisiert. Die Petition und der Nachtrag sind auf unserer Webseite zu finden: Petitionen 2021