Gletschereis als Transportmittel

Mai 2021

Geschichte bedeutet für uns meistens Menschheitsgeschichte. Doch die Natur schreibt ihre eigene Geschichte und hinterlääst ihre eigenen Denkmäler.  Meist wenig beachtet gegenüber ihren vom Menschen errichteten Kollegen, sind Naturdenkmäler doch wichtige Zeugen vergangener Tage. Oft vom Gesetz geschützt, sollen Naturdenkmäler wegen ihrer geschichtlichen und volks- oder heimatkundlichen Bedeutung auch den nachfolgenden Generationen erhalten bleiben.

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Zu den ältesten Naturdenkmälern in Berchtesgaden zählt der Schusterstein. Mitten auf einer Wiese zwischen Schwöb und Königssee liegt er nun seit der Eiszeit da, wie eine vergessene Boulekugel vom König Watzmann. Vom Königsseegletscher wurde er dorthin transportiert und bildet einen auffallenden Hingucker entlang der Bundesstraße. Ein Stück weiter liegen seine Brüder, der Große Stangerstein und der Löwenstein. Ersterer ist praktisch von parkenden Autos umstellt und leider hat man bei der Neugestaltung des Platzes zu wenig Rücksicht auf dieses Naturdenkmal genommen und bis zu seinen Füßen hin es zugepflastert.

Ein weiterer bekannter Findling ist der Priesterstein in der Oberau. Auch ihn haben Gletscherzungen an seinen heutigen Ort geschafft. Dieser Findling ist mit seiner Höhe von 12 Metern einer der größten im deutschen Alpenraum. Sein Name führt in die Geschichte der Protestanten im Berchtesgadener Land zurück. Im 16. Jahrhundert wurden protestantische Bergleute aus Sachsen ins Berchtesgadener Land geholt. Gegen Ende des 16. jahrhunderts ging man gegen die Protestanten vor und anstatt in ihren Häusern versammelten sie sich ab 1700 beim Priesterstein. Bei den heimlichen Treffen diente er als Kanzel, von der herab gepredigt wurde. An diesem Punkt verbindet sich die Geschichte der Natur mit der Geschichte der Menschen.

Christoph Merker