Dies und das 2013

05.03.2013 / 15.08.2013

Rudolf Kriß, vor 110 Jahren geboren, vor 40 Jahren gestorben

Prof. Dr. Rudolf Kriß wurde am 5.3.1903 in Berchtesgaden geboren und ist dort am 15.8.1973 gestorben. Es ist selbstverständlich, dass der Heimatkundeverein Berchtesgaden, dessen erster Vorsitzender und auch erster und bisher einziger Ehrenvorsitzender Rudolf Kriß war, anlässlich des doppelten Gedenkjahres an dieser Stelle erinnert. Am 15. August, seinem Todestag, wird der Verein auf dem Neuen Friedhof auch einen Kranz an seinem Grab  niederlegen.

Rudolf Kriß stammt aus einer Brauereifamilie, die bis 1970 im Besitz des Hofbräuhauses Berchtesgaden war. Er selbst studierte Volkskunde, erlangte 1929 den Doktor- und 1935 in Wien den Professorentitel. Wegen seiner Gegnerschaft zur nationalsozialistischen Diktatur erhielt er nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich Lehrverbot. Diese Zeit nutzte er, um 1941 ein Buch über die Berchtesgadener Weihnachtsschützen zu veröffentlichen, das in erweiterter Form immer noch erhältlich ist. Wegen regimekritischer Äußerungen wurde Kriß vom Volksgerichtshof 1944 zum Tode verurteilt, später zu lebenslanger Haft begnadigt.

Nach dem 2. Weltkrieg, als die Amerikaner nach vertrauenswürdigen Personen für den politischen Wiederaufbau suchten, wurde Rudolf Kriß vom Mai 1945 bis zum März 1946 Berchtesgadener Marktbürgermeister. Danach war Kriß Kreisrat und auch Gemeinederat der damals noch selbstständigen Gemeinde Au.

1947 erschien sein Buch "Sitte und Brauchtum im Berchtesgadener Land", bis heute das Standardwerk über Berchtesgadener Traditionen.

Die wissenschaftliche Tätigkeit setzte Kriß nach dem Krieg zuerst in Salzburg, dann in München fort. Überregional bedeutend ist seine "Sammlung Kriss" mit über 14 000 Beispielen religiöser Volkskunst, die er dem bayerischen Nationalmuseum als Schenkung übergab. Herausragende Werke dieser Sammlung sind im Kloster Asberg ausgestellt, zu dem der Heimatkundeverein Berchtesgaden anlässlich des Jubiläumsjahres seine Herbstfahrt 2013 unternehmen wird. Wen übrigens die unterschiedliche Schreibweise in "Sammlung Kriss" und Rudolf Kriß irritiert: Der offizielle Familienname ist Kriß. Da jedoch in anderen Sprachen das scharfe ß nicht existiert und es auf internationalen Forschungsreisen z.B. in Hotels immer wieder Probleme wegen der Schreibweise gab, haben sich Rudolf Kriß und sein Sohn Hubert entschieden, sich mit der Version Kriss einen "Zweitnamen" zuzulegen.

Wer Rudolf Kriß kannte, wird ihn trotz seiner gutbürgerlichen Herkunft und akademischen Karriere als einen besonders bescheidenen und liebenswürdigen Menschen in Erinnerung haben. Unvergesslich die Geschichte, als ihm wegen seiner "Kuizn", seiner kurzen Lederhose, mit der er in München zu seiner Vorlesung gehen wollte, der Zugang zur Universität verwehrt wurde, weil so jemand wie er da nicht rein gehört - bis er sich zu erkennen gab. Und man wird sich erinnern, wie er trotz der internationalen Bedeutung, die er erlangte, seiner Heimat Berchtesgaden immer in besonderer Weise treu geblieben ist. Als Autor, als Kommunalpolitiker, aber auch als Mäzen und als Ehrenamtlicher im Vorstand verschiedener Vereine ist er von Berchtesgaden nicht wegzudenken.