Verwirrung um ein seltsames Lehen

September 2019

Wenn man von der Gollenbachbrücke Richtung Obersalzberg geht, kommt man als oberstes Lehen zum Mausbichllehen. Es ist ein Lehen, das Ende des letzten Jahrhunderts in bester Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege restauriert wurde. Für Verwirrung sorgt allerdings eine Marmortafel, die an dem Lehen angebracht wurde.

Mausbichl.Tafel.JPG

1198 – 1200 ALS „HOF ZU KESSELSTEIN“ ERRICHTET AUF DEM STANDORT EINER 712 BEGRÜNDETEN EINSIEDELEI. RAUCHKUCHL, FLETZ UND GEWÖLBE KOMMEN AUS DIESER ZEIT. UM 1400 ABLÖSUNG UND UMWANDLUNG DES BISHERIGEN KLOSTER-LEHENS ZUM ERBHOF. NACH ÜBERGANG AUF FAMILIE PFNÜR (1652 – 1988) AUFSTOCKUNG DES MAUSBICHL-LEHENS. 1990 – 2000 DURCHGÄNGIGE RESTAURIERUNG DES 800JÄHRIGEN BAUDENKMALS.
ARCHITEKT: SYLVESTER DUFTER – BETREUER: BAUDIREKTOR PAUL WERNER – BAUHERR: PETER CORNELIUS MAYER-TASCH.

Glaubt man dieser Inschrift, dann wäre es eine Riesensensation, denn eine Einsiedelei aus dem Jahr 712 wäre die früheste Nennung einer Berchtesgadener Örtlichkeit. Nach allen historischen Quellen gelten jedoch die beiden Almen Gauzo und Ladusa, also die Gotzen- und Larosenalm, im ersten Salzburger Güterverzeichnis, den "Notitia Arnonis" (um 790), als die ältesten Berchtesgadener Bezeichnungen. Das gilt auch nach wie vor, denn die Jahreszahl 712 wurde radiästhetisch (mit Wünschelrute/Pendel) ermittelt und hält keiner wissenschaftlichen Überprüfung stand. Man könnte die Zahl eigentlich vergessen. Jedoch ist das Jahr leider auf der Marmortafel verewigt. Damit kommende Generationen sich nicht den Kopf zerbrechen müssen, wird hier festgehalten, wie diese Zahl ermittelt worden ist.

Alfred Spiegel-Schmidt