Berchtesgaden und seine Fleitln

Flöten, oder Fleitln, wie sie in Berchtesgaden heißen, sind ein uraltes Instrument, das sich aus Hirtenflöten entwickelt hat. Höhenpunkte hatten sie in der Renaissance- und in der Barockmusik, bis sie mehr und mehr von Querflöten abgelöst wurden.

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Während sie im 20. Jahrhundert wieder als Kinderinstrument Verwendung fanden, waren sie in Berchtesgaden auch als Instrument für Erwachsene durchgängig üblich. Berühmt waren die Intrumente der Familie Walch, wie sie im Museum Adelsheim zu sehen sind.

 

Nach dem 2. Weltkrieg gab es die Königsseer Fleitler mit Gröll Otto und in den Sechziger Jahren die Berchtesgadener Fleitler mit Hans-Jörg Hasenknopf, Konrad Knoglinger und mir. Wir spielten auf Instrumenten mit deutscher Griffweise, während die ursprünglichen Fleitln die schwerer zu spielende barocke Griffweise hatten. Ich fragte mich herum, ob noch Berchtesgadener die alten Fleitln herstellten und wurde auf den Drechsler Oeggl aus Winkl verwiesen. Ich fuhr zu ihm hinaus und fragte, ob er mir eine machen würde. Er lehnte das ab, weil es zu aufwändig wäre. Daheim kam mir eine Idee. Ich fuhr nochmal zu ihm und fragte, wie es wäre, wenn er mir fünf Fleitln machen würde. Diesmal sagte er zu und rief mich an, als er fertig war. Zwei dieser Fleitln habe ich noch (siehe Bild), die anderen drei gab ich an andere Fleitlspieler weiter. Ungewöhnlich war, dass sie in A-Stimmung waren statt der gewohnten c-Stimmung, und auch das Material war ungewöhnlich. Während Blockflöten normalerweise aus Birnen- oder Zwetschgenholz gefertigt werden, wurden meine Fleitln aus Teakholz gemacht.

 

Nach Oeggl Senior hat sein Sohn die Produktion weitergemacht, sie aber inzwischen wegen zu geringer Nachfrage eingestellt. Sie können aber Weiteres im Internet ansehen unter

www.drechslerei-oeggl.de/images/fleitl.htm

Es wäre aber zu wünschen, wenn diese Berchtesgadener Besonderheit wieder hergestellt würde.

 

Text und Foto: Gernot Anders