Die Kapellen am Kalvarienberg
April 2026
"Um die Andacht der frommen Gläubigen beim Betrachten des Leidens unseres Herrn Jesus Christus zu vermehren, hat diesen Kalvarienberg vom Grund auf errichtet Michael Balthasar, des Heiligen Römischen Reiches Fürst und Propst von Berchtesgaden, aus dem Geschlecht der Grafen von Christallnigg, 1760".
So kündet die lateinische Inschrift der großen Kreuzigungskapelle, die hoch über Berchtesgaden thront. Sie ist mehr als 250 Jahre alt.
Vier kleine Kapellen mit den Stationen des schmerzhaften Rosenkranzes bilden zusammen mit der Kreuzigungskapelle die kunsthistorisch wertvolle Kalvarienberggruppe unmittelbar am Soleleitungsweg.
Früher zogen während der Fastenzeit Prozessionen von der Franziskanerkirche hinauf zum Kalvarienberg. Viele Berchtesgadener knüpfen alljährlich am Karfreitag an diese Tradition an, indem sie entlang der vier Kapellen im Gebet den Kreuzweg nachvollziehen.
Im Zuge der Säkularisation entging die Kalvarienberggruppe dem Abriss dadurch, dass sie bald nach dem Tod von Fürstpropst Christallnigg zusammen mit dem ebenfalls von ihm erbauten, oberhalb davon gelegenen Schloss Fürstenstein in Privatbesitz gelangt war. Dies rettete sie im Jahre 1809 vor der damaligen Salzburger Obrigkeit, die ermitteln ließ, welche Kirchen und Kapellen der ehemaligen Fürstpropstei "entbehrlich", "überflüssig", "aufzuheben" seien. Die Unterhaltung der Baudenkmäler blieb eine nie endende Aufgabe. Schon Mitte des 19. Jahrhunderts erkannte dies eine vermögende Brauerswitwe aus Berchtesgaden namens Anna Wurm. Sie errichtete 1841 eine "Calvarienberg Stiftung". Deren Zweck bestand "einzig und allein darin, dass von den Zinßen des Fundationscapitals per 300 fl bei dem Calvarienberg und den dazu gehörigen Capellen auf dem Fürstenstein die bauliche Unterhaltung für immerwährende Zeiten bestritten werden soll, um dem Verfall derselben vorzubeugen" (Aus Brugger/Dopsch/Kramml, Geschichte von Berchtesgaden, Verlag Plenk, Berchtesgaden).
Noch immer ist die "Calvarienbergstiftung in Berchtesgaden" als Eigentümerin im Grundbuch eingetragen. Die Stiftung verlor bei der Inflation des Jahres 1923 ihr Geldvermögen. Seither müssen notwendige Renovierungen durch Spenden und öffentliche Mittel finanziert werden. Nach 250 Jahren war die gesamte Dachkonstruktion der großen Kreuzigungskapelle zu erneuern. Gleichzeitig wurden alle Fassaden und Figuren vollständig restauriert. Diese größte Maßnahme seit der Erbauung wurde 2012 weitgehend vollendet. Nun strahlt die Kreuzigungskapelle in neuem Glanz.
Kalvarienberg Kreuzigungsgruppe, darunter Grablege
In bewegter barocker Anschaulichkeit zeigt sie Jesus und die beiden Schächer am Kreuz mit Maria, Johannes und Maria Magdalena.
Unter der Kreuzigungsgruppe befindet sich - in Naturstein eingebettet - eine Nachbildung des Heiligen Grabes mit plastischen Figuren Armer Seelen, die ihrer Erlösung harren.
Berchtesgaden, August 2011,
Dr. Hermann Amann, Notar a.D.
Fotos Frank Kammel, Februar 2026

