Zehnerlbaron

Juni 2026

Mit der Werbung ist es heute ganz einfach, dank Internet, Sozialen Medien und billigem Prospektedruck. Doch in den 60er Jahren konnte man nicht schnell mal im Handy schauen, was man sonst noch so alles am Urlaubsort machen könnte. Da hatte der Fotograf Günter Grainer eine geniale Idee: Warum nicht in einem Guckkasten Bilder von sehenswerten Ausflugszielen der Region zeigen?

 

 

 

 

 

 

 

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Der begabte Tüftler machte sich daran, einen solchen Guckkasten zu bauen. Den erste Prototyp baute er noch aus Holz, doch hier wurden die Dias schon mithilfe eines Riemenantriebs weiterbewegt. Durch zwei Gucklöcher sah man das beleuchtete Diapositiv, das gleichmäßig zum nächsten wechselte.Später baute er seine Ton-Dia-Automaten, wie er sie nannte, aus stabilem Stahlblech. Grainer schaffte sich eine Stereo-Kamera an, um Stereo-Dias anfertigen zu können, die einen dreidimensionalen Effekt beim gleichzeitigen Betrachten erzeugten.

 

 

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Zehn Dias, später in Farbe, wurden von einem synchron laufenden Tonband erläutert. Der Spaß, anfänglich für ein Zehnerl, dauerte 80 Sekunden. Wenn Günter Grainer regelmäßig seine Automaten leerte, kam er mit Säckchen voller Zehnerl zur Sparkasse, um sie einzuzahlen.
Darum nannte man ihn in Berchtesgaden den „Zehnerlbaron“.

 

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Mit seiner findigen Idee sicherte er der fünfköpfigen Familie, neben dem Fotogeschäft in der Maximilianstraße, das Auskommen. Außerdem hatte er immer einen guten Grund, in den Bergen unterwegs zu sein, um die passenden Fotos zu schießen. Denn seine Ton-Dia-Automaten stellte er nicht nur in Berchtesgaden auf, sondern im gesamten bayerischen und österreichischen Alpenraum.

 

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Vor allem an Seilbahnen schraubte er die Automaten an den Talstationen an. Ein Stromanschluss reichte, und für ein Zehnerl bekamen die Gäste Informationen und Werbung für Nebenbetriebe oder die Wintersaison in den Sommermonaten und umgekehrt.Von der Dachsteinbahn bis zur Rauschbergbahn, von der Nordkettenbahn bis zur Nebelhornbahn, überall hingen Grainers Ton-Dia-Automaten. Der Text zu den Dias wurde von Günter Grainers Ehefrau Annemarie gesprochen.

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Doch findig, wie Grainer war, stellte er später auf Filme um. Auf 16mm filmte er die Schönheit Berchtesgadens und seine Traditionen im Jahreslauf. „Ich war einer der Klöcklsinger“, erinnert sich ein Sohn Georg Grainer, selber Fotograf wie sein Vater und genauso gerne in den Bergen mit der Kamera unterwegs wie sein Vater. „Wir haben so schräg gesungen, dass man unseren Gesang an der Haustür des Bauerhofes nachträglich synchronisieren musste.“

 

 

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Information und Werbung für ein Zehnerl, dank der genialen Erfindung von Günter Grainer waren die Gäste auch ganz ohne Handy gut informiert.

 

 

                                               Christoph Merker