Alexander von Humboldt und die schönsten Gegenden der Erde
Juli 2026
Alexander von Humboldt hielt sich 1797/98 zu Vermessungsarbeiten in Salzburg und Berchtesgaden auf. Dabei besuchte er auch die Eiskapelle, worüber Leopold von Buch berichtet:
„Den 28. November 1797, da wir Hr. v. Humboldt und ich diese einzige Halle betraten, hatte man noch kein Frostwetter gehabt, noch war der Schnee nur für Minutendauer gefallen; wir sahen die Eiskapelle daher im Zustande, wie die nagenden Wirkungen des Sommers und des gelinden Herbstes sie gelassen hatten…. Wir gingen 600 Fuß hinein, das Licht verschwand fast.“
Humboldt selber hält weiter in einem Schreiben vom 17. April 1798 fest:
„Irren die Karten in der Polhöhe von Salzburg, so ist der Fehler noch ärger bei Berchtoldsgaden, einem abgelegenen Thale am Fusse des Watzmann, wo freylich die Instrumente sich selten verirrt haben mögen.“
Während der Vermessungsarbeiten legte er die Strecke von Salzburg nach Berchtesgaden mehrmals zu Fuß in jeweils 3 ½ Stunden zurück.
Weiter schreibt er:
„Ich hatte während der 6 Tage, die ich auf dem Schloss Adelsheim (etwas westlich von der Domkirche zu Berchtoldsgaden) beobachtet, leider nie ganz windstilles Wetter. Oft musste ich, da ich aus Misstrauen gegen meinen künstlichen Horizont mich immer des Wassers bediente, die schwankenden Sonnenränder gleichsam nur erhaschen. Doch glaube ich, daß ich der wahren Polhöhe doch sehr nahe gekommen bin.“
2023 tagte die Humboldt-Gesellschaft in Berchtesgaden und hat, im Gedenken an den berühmten Forscher, eine Tafel am Schloss Adelsheim anbringen lassen. Während der Enthüllungsfeier fiel wieder, der von mir 2010 bereits in der Festschrift „Berchtesgaden 200 Jahre bayerisch“ widerlegte Ausspruch:
„Die Gegenden von Salzburg – Berchtesgaden,
Neapel und Konstantinopel halte ich für die schönsten der Erde“.
Mir ist bewusst, dass man so ein Zitat nie ganz aus der Welt schaffen kann. Trotzdem möchte ich noch einmal betonen, dass der weltberühmte Naturforscher Alexander von Humboldt nie in Konstantinopel war und diesen Satz auch nie von sich gegeben hat. Vielmehr schrieb 1817 der Arzt und Dichter Dr. Aloys Weißenbach (1766 – 1821) eine Lobeshymne auf den vom Fürsten und Bischof Ernst von Schwarzenberg angelegten Park von Aigen bei Salzburg. Dort heißt es:
„Zwey Engländer, mit denen ich neulich auf diesen Höhen stand, und die gerade aus Aegypten über Konstantinopel, wohin sie durch Frankreich und Italien gezogen waren, zurück kamen, legten mir das Zeugnis ab, daß sie nur auf zwey Punkten (Konstantinopel und Neapel) eine größere, entzückendere Schau genossen haben“.
Natürlich war diese Feststellung von zwei unbekannten Engländern, die zudem noch
Konstantinopel und Neapel für entzückender als Salzburg hielten, nicht erwähnenswert. So hat 1896 der Besitzer des Hotels „Schloss Mönchstein“ in Salzburg, auf der von ihm geschaffenen „Humboldt-Terrasse“, diesen Spruch dem weltberühmten Gelehrten Alexander von Humboldt zugeschrieben und ihn, allerdings ohne den Zusatz „Berchtesgaden“, aus Werbegründen anbringen lassen. Erstmals hat dann A. Helm 1929 Salzburg durch „Salzburg - Berchtesgaden“ ersetzt, was sicher richtig war, denn in dem Büchlein „Aigen“ wird sowohl Berchtesgaden als auch der Watzmann lobend erwähnt. Vermutlich haben die beiden Engländer ihr Entzücken auch am dortigen „Watzmann-Platz“ geäußert, da er den schönsten Blick gegen Süden bot.
Literatur.:
1. Dr. Aloys Weißenbach, Aigen, Salzburg 1817;
2. A. Helm, Berchtesgaden im Wandel der Zeit, 1929, Reprint 1973, S. 31 + 152;
3. Alfred Spiegel-Schmidt, Alte Forschungs- und Reiseberichte aus dem
Berchtesgadener Land, NPV, Forschungsbericht 14, 1988:
S. 73: Auszug aus einem Schreiben A. v. Humboldts,1798.
S. 83- 85: Leopold von Buch, Geognostische Beobachtungen auf Reisen
durch Deutschland und Italien, Berlin 1802:
4. Alfred Spiegel-Schmidt, Die schönsten Gegenden, in Festschrift:
„Berchtesgaden 200 Jahre bayerisch“, 2010, S. 37.
Text und Fotos: Alfred Spiegel-Schmidt

